Die Kampagne hängt in der Design-Warteschlange. Wie große Marken Werbemittel mit KI skalieren
Die Idee für eine Kampagne ist meist schnell gefunden. Der Rest zieht sich. Quadrat, Hochformat, Stories, ein Banner in fünf Größen, eine deutsche und eine tschechische Version. Unilever und Mondelēz zeigen, dass sich dieser Teil in einen Prozess verlagern lässt, in dem KI die Produktion übernimmt und Menschen auf die Qualität achten.
Wo eine Kampagne wirklich Zeit verliert
Wenn Sie im Marketing arbeiten, kennen Sie diesen Moment. Das Key Visual ist freigegeben, alle sind zufrieden, und dann beginnt die Produktion. Ein quadratischer Post und einer im Hochformat, Stories, Banner in mehreren Größen, eine Grafik für die Website, ein Newsletter-Header. Bei einer Kampagne für mehrere Märkte kommen Sprachversionen dazu, und jede Textänderung bedeutet, jede einzelne Datei anzufassen.
Nichts davon braucht eine neue Idee. Jeder dieser Schritte kostet aber Zeit im Design, also wartet die Kampagne in der Schlange, während das Kreativteam eine Woche lang Elemente auf Artboards hin und her schiebt. Große Marken haben genau dasselbe Problem, nur in einem Maßstab, in dem sich Handarbeit nicht mehr rechnet.
Unilever und eine Datei pro Produkt
Im März 2025 erklärte Unilever in einer Pressemitteilung, wie das Unternehmen seine Produktshootings umgestellt hat. Statt jede Variante einzeln zu fotografieren, baut Unilever digitale Zwillinge seiner Produkte in 3D (unter anderem mit der Plattform NVIDIA Omniverse). Nach Angaben von Unilever entstehen Produktbilder so doppelt so schnell und zur Hälfte der Kosten.
Interessanter als die Zahlen ist ein Detail, das man leicht übersieht. Jeder digitale Zwilling enthält in einer einzigen Datei alle Varianten, Etiketten, Verpackungen und Sprachversionen eines Produkts. Laut Unilever wird dieselbe Arbeit im Prozess dadurch im Schnitt nur noch einmal erledigt statt fünfmal. Das Team bereitet keine getrennten Bilder mehr für Fernsehen und Onlineshop vor. Es erstellt eine einzige Quelle, aus der alles Weitere entsteht.
“This isn't about pushing out more content – anyone can do that.”
„Es geht nicht darum, mehr Content rauszuhauen. Das kann jeder“ (Übers. CAASUAL).
Dem können wir nur zustimmen. Menge allein löst nichts, wenn die Materialien anfangen auseinanderzudriften. Unilever spricht zudem von voller Markenkonsistenz bei seinen Produktbildern, und für uns ist das der wichtigste Teil der Geschichte.
Bei Mondelēz haben Menschen das letzte Wort
Der Hersteller von Oreo und Milka geht einen ähnlichen Weg. Wie Reuters im Oktober 2025 berichtete, hat Mondelēz gemeinsam mit Publicis Groupe und Accenture ein Tool mit generativer KI für Marketing-Content gebaut. Das Unternehmen hat mehr als 40 Millionen Dollar investiert und erwartet, dass die Produktionskosten für Inhalte um 30 bis 50 Prozent sinken. Das Tool erstellt bereits Inhalte für Social Media, zum Beispiel für Milka in Deutschland, wo eine kurze Schokoladenanimation einen anderen Hintergrund bekommt, je nachdem, wem sie gezeigt wird.
In derselben Meldung steht ein Satz, der wichtiger ist als die Summe. Eine Führungskraft des Unternehmens versichert, dass Menschen immer prüfen, was das Tool erzeugt, und Mondelēz hat schriftlich festgelegt, was seine Inhalte auf keinen Fall tun dürfen. Die KI hat die Produktion der Varianten übernommen. Was bei den Kunden ankommt, entscheidet weiterhin das Team.
Was Marketingverantwortliche dazu sagen
Die beiden Unternehmen sind keine Ausnahme. Gartner hat 402 CMOs und andere Entscheidungsträger im Marketing in Nordamerika, Großbritannien und Europa nach ihren Budgets für 2025 gefragt. Wie Marketing Dive zusammenfasst, blieben die Budgets bei 7,7 % des Unternehmensumsatzes, genauso wie ein Jahr zuvor. Bei einem stagnierenden Budget zählt jede Stunde. Kein Wunder also, dass 49 % der Befragten den größten Nutzen generativer KI in der Zeitersparnis sehen, 40 % in niedrigeren Kosten und 27 % darin, mehr Inhalte zu produzieren oder sich anderen Bereichen zu widmen.
Wie sich das auf ein kleineres Unternehmen übertragen lässt
Sie brauchen weder digitale Zwillinge noch 40 Millionen Dollar. Beide Geschichten folgen einem Prinzip, das auch in einer Firma mit nur einem Designer funktioniert, oder ganz ohne.
Alles beginnt mit einer einzigen Quelle. Das zentrale Kampagnendesign und die Markenregeln müssen so festgehalten werden, dass Tools damit arbeiten können und nicht nur Menschen: Farben, Schriften, Layouts, Bildausschnitte, Tonalität der Texte. Dazu kommen Formatvorlagen, die klar festlegen, was sich ändern darf und was fix bleibt. Erst auf diesem Fundament kann KI sinnvoll neue Größen und Sprachversionen erzeugen. Am Ende steht immer ein Mensch, der das Ergebnis freigibt und korrigiert, was Fingerspitzengefühl braucht.
In unserer Leistung AI design workflows nennen wir diesen Bereich einfach mehr Output mit demselben Team. Das Marketing bekommt den kompletten Satz Dateien schneller, und die Designer kehren zu der Arbeit zurück, für die es Ideen braucht.
Womit Sie anfangen
Nehmen Sie eine Kampagne, die regelmäßig wiederkommt: eine monatliche Aktion, eine Veranstaltungsreihe, einen saisonalen Sale. Zählen Sie die Tage zwischen der Freigabe des Key Visuals und dem Moment, in dem das Marketing alle Formate und Sprachversionen hat. Das ist Ihr Ausgangswert. Wird diese Zeit durch die Automatisierung nicht kürzer, ist im Prozess etwas falsch aufgesetzt. Das erfahren Sie besser nach einer Kampagne als nach zehn.
Warum Sie den ganzen Prozess messen sollten und nicht nur das Tempo einer Abteilung, erklären wir im Beitrag über den Engpass, der sich nach der KI-Einführung verschiebt.
AI design workflows
Rechnen wir nach, wie viel Zeit Ihre Adaptionen kosten
In einem kostenlosen Gespräch gehen wir eine Ihrer Kampagnen durch und zeigen, welche Formate und Sprachversionen KI vorbereiten kann.
FAQ
Kann KI eine Kampagne an verschiedene Formate anpassen?
Ja, das gehört zu den Aufgaben, die KI am besten übernimmt. Es gibt eine Bedingung: Die KI braucht klare Regeln, also das zentrale Design, Formatvorlagen und eine Beschreibung der Marke. Die fertigen Dateien gibt ein Designer oder die für die Marke verantwortliche Person frei.
Leidet die Qualität einer Kampagne, wenn man Werbemittel automatisiert?
Nicht zwangsläufig. Mondelēz hat ein eigenes KI-Tool für Content gebaut und gibt an, dass Menschen jedes Ergebnis prüfen. Automatisiert wird die wiederkehrende Produktion. Die Idee und die Entscheidungen bleiben im Team.
Womit fange ich bei der Automatisierung von Marketingmaterialien an?
Mit einer Kampagne, die regelmäßig wiederkommt. Messen Sie die Zeit vom freigegebenen Key Visual bis zum kompletten Satz an Formaten und Sprachversionen, automatisieren Sie die aufwendigsten Adaptionen und vergleichen Sie das Ergebnis.
Quellen
- Unilever, „Unilever reinvents product shoots with digital twins and AI“, Pressemitteilung, 18. März 2025.
- Reuters, „Oreo-maker Mondelēz To Use New Generative AI Tool To Slash Marketing Costs“, Nachdruck im ESM Magazine, 27. Oktober 2025.
- „CMOs stretch static budgets further, with downsides for agencies: report“, Marketing Dive, 12. Mai 2025 (über die Umfrage Gartner CMO Spend Survey 2025).
CAASUAL steht in keiner Verbindung zu Unilever, Mondelēz oder den Autoren der zitierten Veröffentlichungen. Die Zahlen stammen aus den Quellen, die Angaben zu Einsparungen sind Aussagen der Unternehmen. Einen Satz zitieren wir im Original mit unserer Übersetzung. Firmen- und Markennamen gehören ihren jeweiligen Inhabern.