KI-Slop kostet eine Marke mehr, als er spart. Was McDonald’s, Dafi und Kraft Heinz zeigen
Das Wörterbuch Merriam-Webster hat „slop“ zum Wort des Jahres 2025 gekürt. So heißen billige KI-Inhalte aus der Massenproduktion, die das Netz fluten. Für eine Marke ist das mehr als eine Geschmacksfrage. Zwei Werbespots aus dem Dezember 2025 zeigen, was KI ohne Regeln kostet, und zwei große Unternehmen, wie man das vermeidet.
Der Weihnachtsspot von McDonald’s hielt drei Tage
Am 6. Dezember 2025 stellte McDonald’s in den Niederlanden einen 45 Sekunden langen Weihnachtsspot auf YouTube, zusammengesetzt aus Clips, die generative KI erzeugt hatte. Die Kommentare fielen gnadenlos aus, und am häufigsten kritisierte das Publikum, dass man die KI sofort sah. Wie BBC News berichtete, nahm das Unternehmen das Video drei Tage später wieder herunter. In einer Stellungnahme hieß es, die Episode sei eine wichtige Lektion auf der Suche nach einem wirksamen Einsatz von KI.
Bezeichnend ist, was danach Melanie Bridge sagte, CEO von The Sweetshop. Das Studio hatte den Film gemeinsam mit der Agentur TBWA\Neboko produziert. Bridge verteidigte die Arbeit: sieben Wochen, Tausende Takes, ein Schnitt wie bei jeder aufwendigen Produktion. Das glauben wir gern. Nur hat das Publikum nicht den Aufwand bewertet. Bewertet wurden das Ergebnis und die Frage, wie gut es zur Marke passt.
Dafi und der Spot, der verschwand
Wenige Tage zuvor hatte eine polnische Marke eine ähnliche Lektion gelernt. Wie NowyMarketing berichtete, veröffentlichte Dafi, ein Hersteller von Wasserfilterkannen und Filterflaschen aus dem polnischen Heiligkreuzgebirge, auf Social Media einen Spot, der komplett mit KI erzeugt war. Ein Hinweis darauf fehlte. Der Post betonte, dass das Unternehmen seine Produkte seit mehr als 30 Jahren im Herzen des Gebirges herstellt, und viele verbinden die Marke mit Natur und sauberem Wasser. Der künstliche Look passte so schlecht zu diesem Bild, dass sich unter den Posts negative Kommentare häuften und das Video schnell aus dem Netz verschwand.
Pikant daran: In einer früheren Kampagne mit der polnischen Sängerin Doda hatte die Marke noch erklärt, zum Denken brauche man keine künstliche Intelligenz. Antyweb schrieb von einem landesweiten Sturm, ausgelöst durch ein einziges schlecht eingesetztes Werkzeug. Dafi hat sich öffentlich nicht geäußert, deshalb stützen wir uns auf Medienberichte.
Was die Daten zeigen
Das sind keine Einzelfälle. In einer Studie von Canva mit The Harris Poll (1.415 Marketingverantwortliche und 3.547 Verbraucher aus sieben Ländern, veröffentlicht im Mai 2026) bezeichneten 41 % der Marketingverantwortlichen KI-Slop als ernsthafte Herausforderung. Laut Meltwater-Daten, die der Bericht zitiert, haben sich die Erwähnungen von „AI Slop“ verneunfacht. 78 % der Verbraucher würden lieber Werbung sehen, die von Menschen gemacht ist, selbst wenn KI sie besser machen könnte. Sieben von zehn vermissen in KI-Werbung die Seele.
Den aufschlussreichsten Befund liefert eine Studie von DoubleVerify vom Juli 2026 mit 22.000 Verbrauchern aus 22 Märkten. 42 % würden schlechter über eine Marke denken, wenn sie minderwertige oder „unheimlich“ wirkende KI-Werbung sehen. Dagegen bewerten 40 % ausgefeilte KI-Werbung positiv, und 56 % geben zu, dass sie KI-Inhalte nicht zuverlässig von anderen unterscheiden können. Kunden bestrafen also nicht die KI an sich. Bestraft werden Schlamperei und Inhalte, die nicht zur Marke passen.
Kraft Heinz hat die Marke ins Werkzeug eingebaut
Wie KI aussieht, die keinen Slop produziert, zeigt Kraft Heinz. Gemeinsam mit dem Partner Apply Digital hat das Unternehmen auf Google Cloud eine Plattform namens TasteMaker gebaut. Laut einer Fallstudie von Google Cloud greifen die Modelle, die dort Texte, Bilder und Videos erzeugen, auf das zurück, was das Unternehmen sein Markenwissen nennt: Richtlinien, Daten aus dem Produktkatalog, Bildarchive und mehr, gebündelt an einem Ort. Statt eines leeren Chatfensters bekommen die Teams fertige Anwendungen für konkrete Aufgaben.
“The first was to bring our brand intelligence into the platform.”
„Der erste [Grundsatz] war, unser Markenwissen in die Plattform zu holen“ (Übers. CAASUAL).
Google Cloud nennt diese Ergebnisse: Inhalte für neue Produkte entstehen in 8 Stunden statt in 8 Wochen, und 70 % der Nutzer aus Produktentwicklung und Marketing, die Zugang haben, arbeiten mit der Plattform. Das sind Zahlen des Technologieanbieters, wir gehen deshalb vorsichtig mit ihnen um. Die Richtung ist trotzdem klar. Die Marke steckt im Werkzeug selbst und ist keine Zeile, die man an einen Prompt anhängt.
L’Oréal: erst die Regeln, dann die Modelle
L’Oréal ist einen ähnlichen Weg gegangen und hat feste Regeln dazugenommen. Im internen Labor CREAITECH erstellen Marketingteams mit den Modellen von Google Konzepte, Storyboards, neue Verpackungsentwürfe und Testfotos von Produkten in verschiedenen Szenerien. Laut Retail Dive schrumpfte die Zeit für erste Konzepte von Wochen auf Tage, und die Kosten sanken.
Noch wichtiger ist, was L’Oréal mit KI nicht macht. Wie Google Cloud beschreibt, generiert der Konzern keine Menschen für Werbung. Er nutzt auch keine lebensechten Gesichter, Körper, Haare oder Haut aus der KI, um die Wirkung von Produkten zu zeigen. Seit 2021 hat L’Oréal eigene Grundsätze für den verantwortungsvollen Umgang mit KI, sieben Punkte, über die interne Gremien wachen. Die Grenzen stehen fest, bevor irgendjemand ein Tool öffnet.
Was das für Ihre Marke bedeutet
Bei McDonald’s und Dafi fehlte zwischen dem Generieren und dem Veröffentlichen jede Instanz, die auf die Marke achtet. Auch Kraft Heinz und L’Oréal setzen KI in großem Stil ein, bei ihnen ist die Marke aber in den Prozess eingebaut: Richtlinien und Produktfotos stehen dem Werkzeug zur Verfügung, die Aufgaben sind konkret, die Grenzen schriftlich festgehalten, und bevor etwas veröffentlicht wird, sieht sich ein Mensch das Ergebnis an.
Ein kleineres Unternehmen braucht keine eigene Plattform, um nach demselben Prinzip zu arbeiten. Es braucht eine Marke, die so beschrieben ist, dass KI sie wiedergeben kann, dazu Vorlagen für die häufigsten Materialien und eine klare Regel, wer Inhalte vor der Veröffentlichung freigibt. Ausführlicher geht es darum in unserem Beitrag darüber, wie Sie KI Ihre Marke beibringen. In unserer Leistung ist das der Bereich KI, die Ihre Marke kennt.
AI design workflows
Prüfen wir, ob Ihre Marke bereit für KI ist
In einem kostenlosen Gespräch sehen wir uns an, wie Ihre Materialien mit KI heute entstehen und was sich ändern muss, damit daraus kein Slop wird.
FAQ
Was ist KI-Slop?
So nennt man minderwertige Inhalte, die mit KI massenhaft produziert werden: Texte, Bilder und Videos, die wie alles andere aussehen und keinen erkennbaren Urheber haben. 2025 hat das Wörterbuch Merriam-Webster „slop“ zum Wort des Jahres gekürt.
Schadet KI-generierte Werbung der Marke?
Nicht von sich aus. In einer Studie von DoubleVerify gaben 42 % der Verbraucher an, minderwertige oder „unheimlich“ wirkende KI-Werbung würde ihr Bild von einer Marke verschlechtern. 40 % bewerten ausgefeilte KI-Werbung dagegen positiv. Entscheidend sind die Qualität und die Frage, ob die Werbung zur Marke passt.
Wie kann das Marketing KI nutzen, ohne der Marke zu schaden?
Bauen Sie die Marke in die Werkzeuge ein: Richtlinien, Produktfotos, Tonalität und Regeln dazu, was Sie nie generieren lassen. Geben Sie Ihren Teams fertige Abläufe für konkrete Aufgaben statt eines leeren Chatfensters, und lassen Sie einen Menschen das Ergebnis vor der Veröffentlichung freigeben.
Quellen
- Laura Cress, „McDonald’s Netherlands pulls AI Christmas ad after backlash“, BBC News, 10. Dezember 2025.
- Agata Drynko, „AI kontra naturalność. Reklama Dafi wywołała falę negatywnych komentarzy w sieci“, NowyMarketing, 4. Dezember 2025 (auf Polnisch).
- Patryk Koncewicz, „Reklama Dafi rozsierdziła Polaków. Szybko się z tego nie wygrzebią“, Antyweb, 4. Dezember 2025 (auf Polnisch).
- Canva, The Harris Poll, „The State of Marketing and AI“ 2026, Mitteilung bei MarTech Series, 15. Mai 2026.
- DoubleVerify, „Global Study: Poor-Quality AI Content Puts Brand Trust at Risk“, 29. Juli 2026.
- Google Cloud, Fallstudie Kraft Heinz (TasteMaker).
- Google Cloud, Artikel über das CREAITECH-Labor von L’Oréal, 9. April 2025; Xanayra Marin-Lopez, „L’Oréal taps Google’s generative AI tools for content creation“, Retail Dive, 17. April 2025.
- „Merriam-Webster names ‚slop‘ the word of the year“, TechCrunch, 15. Dezember 2025.
CAASUAL ist mit keinem der beschriebenen Unternehmen und mit keinem Verfasser der zitierten Veröffentlichungen verbunden. Die Fälle fassen wir auf Grundlage öffentlich zugänglicher Materialien in eigenen Worten zusammen; die Ergebnisse von Kraft Heinz sind Zahlen des Technologieanbieters, und die Darstellung des Falls Dafi stützt sich auf Medienberichte. Einen Satz zitieren wir im Original, zusammen mit unserer Übersetzung. Firmen- und Markennamen gehören ihren jeweiligen Inhabern.